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ZUG/LAUSANNE: Zuger Gericht muss nochmals ran

Ein rabiater Ehemann hat seine Gattin zweimal gewürgt. Anders als das Kantonsgericht ist für das Bundesgericht nicht erwiesen, dass eine Gefährdung des Lebens vorliegt.
Urs-Peter Inderbitzin
Beim Eingang zum Kantonsgericht an der Aabachstrasse in Zug. (Bild: Werner Schelbert, 24.06.2016)

Beim Eingang zum Kantonsgericht an der Aabachstrasse in Zug. (Bild: Werner Schelbert, 24.06.2016)

Urs-Peter Inderbitzin

redaktion@zugerzeitung.ch

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug führt gegen einen türkischstämmigen Mann eine Strafuntersuchung. Dies wegen häuslicher Gewalt und verschiedener Verkehrsregelverstösse (siehe Kasten). Sie wirft ihm im ersten Punkt vor, er sei gegen seine damalige Ehefrau mehrfach handgreiflich – Schläge, Ohrfeigen, an den Haaren reissen – geworden und habe physischen und psychischen Druck auf sie ausgeübt. Zudem habe er die Frau bei zwei Übergriffen während einiger Sekunden am Hals gewürgt und ihr verboten, die eheliche Wohnung zu verlassen.

Das Strafgericht des Kantons Zug verurteilte den rabiaten Ehemann im September 2016 wegen mehrfacher Tätlichkeit, mehr­facher Gefährdung des Lebens, mehrfacher Drohung, Nötigung und Freiheitsberaubung sowie wegen mehrfacher grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 35 Monaten sowie zu einer Busse von 2500 Franken. Gleichzeitig ordnete das Gericht auch eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme an und verpflichtete den Verurteilten, seiner Ex-Gattin ein Schmerzensgeld von 6000 Franken zu bezahlen.

Als das Zuger Obergericht diesen Schuldspruch bestätigte, rief der Mann das Bundesgericht an. Er forderte in Lausanne einen Freispruch. Ausserdem verlangte er für jeden bisherigen Tag in Haft eine Entschädigung von 120 Franken. Das Bundesgericht hat die Beschwerde in einem Punkt gutgeheissen und den Fall zur neuen Entscheidung aus diesem Grund ans Zuger Obergericht zurückgeschickt.

Unmittelbare Lebensgefahr nicht erwiesen

Umstritten war die Frage, ob der Mann seine Ex-Gattin mit den Würgehandlungen in unmittelbare Lebensgefahr gebracht hatte. Zu dieser Frage hatte die Zuger Justiz ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Zürich erstellen lassen. Laut dem Urteil aus Lausanne erweist sich das Gutachten in mehrfacher Hinsicht als mangelhaft, da es stark von den «Empfehlungen für die Formulierungen im forensischen Gutachten» abweicht. Namentlich äussert sich dieses Gutachten auch nicht zum Ausmass der Lebensgefahr aus medizinischer Sicht. Die Zuger Justiz hätte sich deshalb nicht auf das Gutachten verlassen dürfen. Die Annahme einer unmittelbaren Lebensgefahr der Gattin durch die Übergriffe des Ehemannes lässt sich nicht darauf abstützen. Der Entscheid des Obergerichts erweist sich deshalb in diesem Punkt als willkürlich. Es muss nun aufgrund der vorliegenden Beweise und weiterer Abklärungen nochmals prüfen, ob das Opfer durch die Würgehandlungen in Lebensgefahr gebracht worden ist.

Hinweis

Urteil 6B_265/2017

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