ZUG/NÜRNBERG: Die Schicksale hinter den Bildern

Christian H. Hildebrand lichtete für die «Zuger Zeitung» Flüchtlingsfrauen im Salesianum ab. Für diese Bilder ist er von einem deutschen Menschenrechtszentrum ausgezeichnet worden.

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Der Zuger Christian Herbert Hildebrand hat mit seinen einfühlsamen Bildern die Wettbewerbsjury überzeugt. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Der Zuger Christian Herbert Hildebrand hat mit seinen einfühlsamen Bildern die Wettbewerbsjury überzeugt. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Seit vergangenem März steht das Salesianum als Übergangslösung zur Unterbringung von Menschen auf der Flucht zur Verfügung. Im April erhielt unsere Zeitung die Gelegenheit, das Haus und seine ersten Bewohner zu besuchen. Für den Bericht in der Ausgabe vom 13. April war der freischaffende Zuger Berufsfotograf Christian Herbert Hildebrand mit der Bebilderung beauftragt. Niemand hätte erwartet, dass aus diesem an sich gewöhnlichen Fotoauftrag Bilder hervorgehen, welche später von einem renommierten deutschen Menschenrechtszentrum ausgezeichnet würden.

Dem Fotografen gelang es, gemeinsam mit dem Betreuer im Salesianum sowie mit Empathie und Geduld ein Vertrauensverhältnis zu den Bewohnerinnen aufzubauen. Es sind vor allem Frauen islamischen Glaubens, die in Zug vorübergehend ein sicheres Zuhause gefunden haben.

«Ich wollte bewusst die weiblichen Bewohner ablichten, weil sie aus gesellschaftlicher Sicht ihres Herkunftslandes und in Anbetracht ihres religiösen Hintergrundes zu den Schwächsten gehören», sagt Hildebrand. Schliesslich überwanden die Frauen ihre Schüchternheit und waren bereit, fotografiert zu werden. Ein sehr schöner Moment für den Fotografen. «Sie zeigten sich so natürlich, so herzlich und offen, trotz ihrer schüchternen Zurückhaltung.» Ihm gelangen Bilder, die sprichwörtlich mehr sagen als tausend Worte. Es sind Gesichter von Menschen mit bewegten – oder bewegenden – Geschichten. Wenn sie diese erzählen, mag man ihre Sprache nicht verstehen, aber allein ihre Gestik und ihre Hände sagen genug aus. Auch solche Momente hat Christian H. Hildebrand eingefangen.

«In den Medien sieht man seit der Krise fast nur verstörende Bilder von Menschen auf der Flucht. Warum eigentlich?», fragt sich der Fotograf. «Ist die Botschaft, dass Menschen mit diesen Hintergründen ihre Lebensfreude zurückgewinnen und wieder lachen können, nicht viel wichtiger als stets nur das pure Elend?»

Zwiespältiges Thema

Für Hildebrand ist das Thema Flüchtlinge sehr zwiespältig. Bei all den polarisierenden Negativschlagzeilen gehe unter, dass es genügend Menschen gibt, die wirklich dringend auf Schutz und Asyl angewiesen sind. «Dass Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind, in einem sicheren Land eine Chance erhalten, ist für mich indiskutabel», so Hildebrand. Dann vernahm der Zuger vom Fotowettbewerb des Nürnberger Menschenrechtszentrums. Er reichte zum Thema «Recht auf Asyl» gemäss Artikel 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eine Auswahl seiner Bilder aus dem Salesianum ein, die Jury war überzeugt von den positiven, von Vorurteilen unbelasteten Fotografien, und Hildebrand gewann schliesslich den zweiten Preis.

Derzeit werden die Gewinnerarbeiten in Nürnberg gezeigt. Anschliessend werden sie im Rahmen einer Wanderausstellung auf die Reise gehen.

«Ich wollte bewusst die weiblichen Bewohner ablichten.»

Christian H. Hildebrand

Fotograf

Der Zuger Christian Herbert Hildebrand hat mit seinen einfühlsamen Bildern die Wettbewerbsjury überzeugt. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Der Zuger Christian Herbert Hildebrand hat mit seinen einfühlsamen Bildern die Wettbewerbsjury überzeugt. (Bild: Christian H. Hildebrand)

Der Zuger Fotograf Christian Herbert Hildebrand. (Bild: Werner Schelbert (Neuägeri / 16.12.2016))

Der Zuger Fotograf Christian Herbert Hildebrand. (Bild: Werner Schelbert (Neuägeri / 16.12.2016))