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ZUG/RAPPERSWIL: Wer war der «Blüwler» aus Zug?

Eines der eindrücklichsten Rapperswiler Stadthäuser soll von einem «Goldschmied von Zug» erbaut worden sein. Wer er genau war und was er wirklich gemacht hat, bleibt jedoch unklar.
Stattlich und repräsentativ: das Bleulerhaus in der Rapperswiler Altstadt. (Bild: Andreas Fässler / Neue ZZ)

Stattlich und repräsentativ: das Bleulerhaus in der Rapperswiler Altstadt. (Bild: Andreas Fässler / Neue ZZ)

Wir machen uns zur Abwechslung mal wieder jenseits der Kantonsgrenzen auf Spurensuche und werden in der Rosenstadt Rapperswil fündig. An der Hintergasse mit der heutigen Hausnummer 16 steht eine der prächtigsten Altstadtbauten. Die Gebäude links und rechts davon sind viel schlichter gebaut. Rapperswil war in alter Zeit eine klassische Handwerkerstadt, die Bevölkerung somit nicht besonders reich. Die erwähnten einfacheren Häuser an dieser Gasse zeugen davon durch ihre einfache Bauweise und den eher klein bemessenen Grundriss. Das stattliche Gebäude hebt sich deutlich ab von diesen einstigen Handwerkerhäusern. Fünfgeschossig, aus Stein gebaut mit einer Rundbogenarkade sowie einem prächtigen Erker, der über zwei Stockwerke reicht, lässt es auf einen wohlhabenden Bauherrn schliessen.

Tatsächlich ist auf einer Tafel an der Aussenwand zu lesen, dass der Bauherr ein «Goldschmied Thomas Bleuler von Zug» gewesen sein soll. Dieser Bleuler hatte demnach um 1603 an dieser Stelle drei ältere, einfache Häuser erworben und unter Einbezug von Teilen deren mittelalterlicher Bausubstanz vom Rapperswiler Baumeister Ulli Stierli das heutige, nachgotische Gebäude errichten lassen. So weit, so interessant. Was sich aus Zuger Sicht aber aufdrängt, ist die Frage, wer dieser «Goldschmied Thomas Bleuler von Zug» war, wo überdies dieser Familienname hier kaum je verbreitet war, sondern eher in der Region Zürich anzusiedeln ist. Da dieser angebliche Zuger Bleuler ja dem Anschein nach so wohlhabend gewesen sein muss, so sollte es doch ein Leichtes sein, Näheres über ihn herauszufinden. Doch so einfach ist es nicht. Die gezielte Recherche ergibt lediglich einen Goldschmied Hans Jakob Bleuler um 1600 in Zürich.

Auf Nachfrage beim Rapperswiler Stadtarchiv ist zu erfahren, dass der von Zug kommende Thomas Bleuler am 30. Januar des Jahres 1603 ins Rapperswiler Bürgerrecht aufgenommen wurde, «samt seinen Kindern, die nicht verheiratet sind». Im Zuge dessen habe Bleuler der Stadt Rapperswil einen vergulten knorreten Credenzbecher (einen vergoldeten Deckelpokal) vom Nürnberger Meister Hans Petzold gestiftet – heute ist das Prunkstück Teil des Rapperswiler Rathausschatzes. In der Folge liess er also das «Bleulerhaus» errichten. Doch bereits Ende 1611 verstarb der Zugezogene. Bleulers Nachkommen vermochten nicht für den Erhalt des Hauses aufzukommen, weshalb sie es 1616 verkauften. Gemäss Historiker Meinrad Schnellmann soll Bleulers Familie bald ausgestorben sein. Obschon das Gebäude nur verhältnismässig kurz im Besitze der Bleuler war, ist es bis heute unter deren Namen bekannt.

Dieser Toman Blüwler von Zug (so geschrieben im Rapperswiler Bürgerregister um 1603) ist allerdings nirgends als Goldschmied in Zug auszumachen. Das ergeben die Recherchen von Walter Abegglen, der die grosse Ausstellung «Zug ist Schmuck» zum Thema Gold- und Silberschmiedekunst im Museum Burg Zug kuratiert hat. Das einzig Überlieferte, welches Thomas Bleuler irgendwie mit dem Goldschmiedehandwerk in Verbindung bringen könnte, ist dasjenige, dass die Mutter des Zuger Goldschmiedes Oswald Schön, der um 1630 nach Rapperswil gekommen sein soll, eine nahe Verwandte des Thomas Bleuler gewesen war. Aber das ist erstens viel zu kompliziert und zweitens zu weit hergeholt, um auf eine Berufstätigkeit als Goldschmied zu schliessen.

Was aber auf der Hand liegt: Thomas Bleuler war tatsächlich wohlhabend. In Dora Fanny Rittmeyers Texten zur Rapperswiler Goldschmiedekunst aus dem Jahre 1949 steht nämlich geschrieben, dass alle Rapperswiler Neubürger Silberschätze zu beschenken hatten, wie Thomas Blüwler aus Zug um 1603. Er konnte und vermochte es. So ist es den Aufzeichnungen wörtlich zu entnehmen. Und schliesslich steht da noch das prächtige Haus, welches mit Sicherheit Bleulers Reichtum repräsentierte. Ausserdem taucht der Name des Thomas Blüwler mehrfach in der Zurlaubiana auf, dem schriftlichen Nachlass der einflussreichen Zuger Adelsfamilie. So ist beispielsweise zu erfahren, dass der Bleuler wegen eines Kaufvertrages in einen Rechtsstreit mit den Gebrüdern Klein in der Kemmatten in Hünenberg verwickelt war. Auch mehrere grössere Rechnungsstellungen sind im Namen Bleulers gemacht worden.

So erhärtet sich Walter Abegglens Vermutung, dass Thomas Bleuler aus Zug eher ein gut betuchter Kaufmann war denn ein Goldschmied. Vielmehr lässt sich zum Zeitpunkt nicht über diesen Thomas Bleuler aus Zug sagen. Einen letzten Hinweis ganz anderer Art geben nur noch die Einsiedler Wunderberichte, respektive eine im Wallfahrtsort aufbewahrte Votivtafel. Darauf ist eine Dankesschrift zu lesen, dass eine gewisse Chamerin namens Margaretha Wyss anno 1595 eine schwere Geburt überlebt habe. Die Inschrift verrät weiter, dass sie die Frau des Thomas Blüwler war. Seine Frau war also aus Cham.

Viel ist nun über Thomas Bleuler geschrieben worden, doch ein eindeutiges Bild von diesem Zuger, welcher das herrschaftliche Altstadthaus in Rapperswil erbauen liess, lässt sich nicht zeichnen. Zusammenfassend kann man sagen, dass dieser Bleuler wohl aus Zug in die Rosenstadt gekommen sein mag, aber er war wohl nicht wie am Haus angegeben ein Goldschmied, sondern eher ein wohlhabender Bürger mit kaufmännischem Hintergrund.

Sollte sich unter der werten Leserschaft weiteres Wissen über diesen Bleuler verbergen, so wäre die «Neue Zuger Zeitung» daran sehr interessiert.

Andreas Faessler

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

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