Zugs Krisen-Fussballer haben einen neuen Trainer und einen neuen Sportchef

Ergün Dogru hat den Erstligisten trotz gegenteiliger Beteuerungen verlassen. Der einstige Assistenztrainer Vural Oenen ersetzt ihn. Auch für die Kaderzusammenstellung ist ein alter Bekannter verantwortlich.

Michael Wyss
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Besnik Reci hat als Sportchef eine Herkulesaufgabe vor sich.

Besnik Reci hat als Sportchef eine Herkulesaufgabe vor sich.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Oktober 2019)

«Ich freue mich auf das neue Amt und bin überzeugt, mit dem Team das Unmögliche noch möglich zu machen – sprich den Ligaerhalt», zeigt sich Vural Oenen (38) positiv gestimmt. Er ist der neue Trainer des serbelnden Erstligisten Zug 94. Oenen, der frühere Profifussballer des FC Zürich, ersetzt Ergün Dogru. Dieser hat zum abstiegsgefährdeten YF Juventus Zürich in die Promotion League gewechselt, wo auch der SC Cham spielt. Oenen amtete während der vorletzten Spielzeit bereits als Assistenztrainer bei den Zugern. Ihm zur Seite steht der bisherige Assistenztrainer Sebahattin Kahveci (53).

Noch nicht klar ist indes, wie das Team im Frühjahr personell aussehen wird. Der neue Verantwortliche in diesem Bereich als Sportchef heisst Besnik Reci (39). Der frühere Erfolgstrainer der zweiten Zuger Mannschaft kennt das Umfeld bestens und verfügt über ein grosses Beziehungsnetz. «Ich machte nun sechs Monate nichts. Jetzt hat es mich wieder gepackt und ich bin bereit, hier zu helfen. Es ist eine Herzenssache.»

Düstere Tabellensituation

Die Herausforderung, neue Spieler zu finden, ist riesig: Nach 14 Spieltagen liegen die Zuger in der 1. Liga mit 5 Punkten abgeschlagen am Tabellenende. Darüber hinaus drücken den Verein Schulden, es fehlen unter anderen ein Hauptsponsor und mehrere Funktionäre. «Ich habe bereits mit dem einen oder anderen Spieler gesprochen. Es gibt einen Aderlass, das ist klar. Doch wir haben auch Anfragen von Spielern, die gerne zu uns kommen möchten», sagt Besnik Reci, der davon anscheinend nicht überrascht ist: «Zug 94 ist ein Traditionsverein, mit einer hervorragenden Infrastruktur. Den Spielern mangelt es hier an nichts, das muss ich auch einmal sagen. Auch wenn es sportlich nicht läuft und wir finanziell derzeit nicht auf Rosen gebettet sind, ist Zug 94 nach wie vor eine beliebte Adresse in der Zentralschweiz. Die Zeiten werden sich wieder zum Positiven wenden.»

Einer der Akteure, die nicht mehr dabei sind, ist der 24-jährige Ruben Burkard, der viereinhalb Jahre dabei war, zuletzt als Captain. Er sagt:

«Fussball ist mein Hobby, meine grosse Leidenschaft. Die Unruhen der letzten Wochen und Monate haben mir den Spass jedoch genommen und sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Als Captain habe ich das noch intensiver miterlebt als andere. Deshalb werde ich mich nach einem neuen Team umsehen.»

Doch Burkard sagt auch: «Es war auch eine schöne Zeit in Zug, ich möchte sie nicht missen. Ich hoffe, dass das Team den Ligaerhalt bewerkstelligt. Es wird nicht einfach, aber auch nicht unrealistisch, wenn man eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen kann. Für Zug 94 ist die 1. Liga sicher ein Muss.»

Der neue Trainer Vural Oenen zeigt sich mit Blick auf die Tabellensituation gefasst, aber hoffnungsvoll: «Die Hypothek von zehn Punkten auf den rettenden zwölften Platz ist gross, aber mit einem positiven Start können wir das Ding noch umbiegen. Wir sind ja bereits als vorzeitiger Absteiger tituliert worden, das kann uns nun sehr gefährlich machen, denn der Druck ist weg.»

Dem Ex-Trainer sei die Situation nicht egal

Und was sagt Ex-Trainer Ergün Dogru zu seinem Abgang? Er, der noch vor einem Monat in unserer Zeitung öffentlich beteuerte, «den Karren aus dem Dreck zu ziehen»? «Ich suchte nach den turbulenten Wochen und Monaten einfach eine neue sportliche Perspektive und ein neues Projekt, welches ich angehen kann. Als ich mit Vural Oenen gesprochen habe und er als Trainer zugesagt hatte, konnte ich auch mit einem ruhigen Gewissen gehen.» Es sei ihm aber nach wie vor nicht egal, was mit Zug 94 passiere. «Nun ist alles in die richtigen Bahnen gelenkt», ist Dogru überzeugt.