Gastro-Kette will in die ehemalige Hauptpost in Zug einziehen – geplant sind ein Restaurant, ein Café und eine Vinoteca

In der Stadt Zug haben Szenenkenner über den neuen Mieter in der alten Hauptpost gerätselt – ein Name ist immer wieder aufgetaucht.

Marco Morosoli
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Werden bald Restaurantgäste den Postplatz beleben?

Werden bald Restaurantgäste den Postplatz beleben?

Bild: Matthias Jurt (Zug, 19. März 2020)

Anfang Jahr nannte ein Spieler der EVZ-Senioren im trauten Kreise, dass die Bindella-Gruppe in die Hauptpost in Zug einziehe. Als Arbeitskraft in einem anderen Gastronomie-Unternehmen habe er diesen Namen gehört. Nachfragen über die offiziellen Kanäle führen jedoch zu keinem Ergebnis. Selbst in dieser Woche nicht, nachdem das Amtsblatt das Baugesuch respektive Umnutzungsgesuch des Zürcher Gastrounternehmens für den Umbau der Hauptpost schwarz auf weiss in der Rubrik Baugesuche publizierte. Der Sprecher der Bindella-Gruppe liess auf Anfrage wissen, dass er kommunizieren werde, wenn die Sache offiziell sei. Das Gesuch liegt bis und mit 13. Mai öffentlich auf.

Die Schweizerische Post zeigt sich ein wenig redseliger. Ihr Sprecher Markus Flückiger sagt:

«Mit dem bekannten Gastronomiebetrieb Bindella führen wir Gespräche über ein Mietverhältnis.»

Es sei jedoch noch nichts unterschrieben. «Der Vertragsabschluss ist unter anderem abhängig von der Baubewilligung», sagt Flückiger und macht gleich noch etwas Werbung in eigener Sache: «Die ehemalige Hauptpost in Zug ist ein attraktiver Standort für einen hochwertigen Gastrobetrieb.»

Informationen aus den Bauunterlagen

Weil beide Seiten im Vagen bleiben, sind die Informationen aus den Unterlagen der Baubewilligung beiziehen. In dieser finden sich ein Betriebskonzept und ein Name für das Lokal: Ristorante Più & Vinoteca Bindella. Adresse Postplatz 1. Die Betriebsgrösse ist im Baugesuch mit 120 Sitzplätzen für das Restaurant, 42 Sitzplätze im Bereich Café & Bar und mit zirka 64 Sitzplätzen im Aussenbereich angegeben. Dieser ist im oberen Teil des Postplatzes vorgesehen.

Damit dürfte die dort seit der Umgestaltung herrschende Ödnis wenigstens im oberen Drittel aufgelockert werden. Wie der Name des Restaurants erahnen lässt, besteht die Speisekarte aus allerlei italienischen Speisen der Kategorien Pizza und Pasta. Salate sind dort ebenso zu haben wie süditalienische Brot- und Süssspeisen.

Sieben Tage die Woche offen

Zum Restaurant gehört auch ein Café sowie eine Vinoteca. Bindella hat sich auch in diesem Bereich einen Namen gemacht. Gemäss den vorerwähnten Unterlagen befinden sich 400 Weine in den Regalen. Im Ristorante Più sollen am Mittag rund 120 Mahlzeiten und am Abend 150 Mahlzeiten gereicht werden. Die geplanten Restaurantöffnungszeiten sind denjenigen in Italien angepasst. Das heisst bis auf das Café, das von Sonntag bis Donnerstag von 9 bis 22 Uhr und Freitag sowie Samstag von 9 bis Mitternacht offen haben soll, hat das Restaurant am Nachmittag zu.

Wo der Zuger Gastroneuling auftrumpft: Das Ristorante Più ist auch am Sonntag offen. Gerade im Bereich der Gastronomie am siebten Tag der Woche hat Zug noch Potenzial. Eine Hand reicht aus, um die offenen Lokale im Zuger Stadtzentrum an einem Sonntag aufzuzählen.

Die Bindella-Gruppe will laut dem Baubeschrieb rund vier Millionen Franken in den Umbau der ehemaligen Hauptpost einsetzen. Wann mit den Arbeiten für die Herrichtung des neuen Bindella-Gastrobetriebs in der Stadt Zug begonnen werden kann, ist noch unklar. Froh darüber, einen dicken Fisch gefangen zu haben, ist wohl die Schweizer Post als Eigentümerin der Immobilie. Seitdem im Herbst 2015 die letzten Briefmarken gekauft und Einzahlungen getätigt worden sind, hat das denkmalgeschützte Gebäude als temporärer Arbeitsplatz für verschiedene Firmen gedient. Bis sich die jetzige Lösung abzeichnete, vergingen jedoch fast zwei Jahre.

Ein Familienunternehmen in der vierten Generation

Die Bindella-Gruppe ist in der Schweiz ein grosser Gastrounternehmer. In einem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» von Ende März ist von 44 Betrieben in der ganzen Schweiz die Rede. Rund 1300 Personen arbeiten in verschiedenen Chargen für Bindella. Um den Betrieb in Zug am Laufen zu erhalten, rechnen die Restaurantplaner mit rund 35 Personen. Mittlerweile ist die vierte Generation des Familienunternehmens am Arbeiten. Die Coronakrise beutelt auch die Bindella-Gruppe. Doch der 72-jährige Rudi Bindella hat kürzlich der «Weltwoche» gesagt: «Die Sonne wird immer wieder aufgehen.»