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Zugs Schifffahrt vor Augen geführt

Ein motiviertes Publikum verfolgte exzellente Darlegungen zweier Insider.

Für den Historischen Verein Zug: Jürg Johner
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Zu einer stattlich frequentierten Sonderführung lud der Historische Verein des Kantons Zug in des Staatsarchivs Lesesaal, wo es die Experten Heinz Amstad und Jürg Meister trefflich verstanden, ein faszinierendes Kapitel Zuger Verkehrsgeschichte vor Augen zu führen.

Erstmalig widmete sich eine Kabinettausstellung der gesamten Entwicklung der Personenschifffahrt auf beiden Zuger Seen. Als eidgenössische Spezialität skizzierten sie den Beginn mit Initiative, Kapital und Risiko seitens der Privatwirtschaft 1851, gefolgt durch den Rechtskleidwechsel in eine AG aus lauter Einzelpersonen 1884 und erst anschliessend um 1897 durch die Beteiligung öffentlicher Hände.

Ursprünglich kutschierte die «Horgener Post» bis zu Zugs Postplatz, ehe ab der Platzwehre Ruderschiffe die Gäste nach Arth transportierten. Hauptsächlich der «Magnet Rigi» generierte 1852 die Anschaffung des ersten maschinenbetriebenen Raddampfers Rigi (I). Jürg Meister charakterisiert ihn wie auch die «Stadt Zug» von 1864 als typische Flachdeckdampfer, derweil er dem Salon-Dampfer Helvetia von 1876 mit gedeckten Aufbauten einen «gewaltigen Qualitätssprung» bescheinigt. «State oft he Art» errichtet, verwob er die bisherige Zweckmässigkeit mit Ästhetik und Komfort.

Schwan ist nicht gleich Schwan

Amstad seinerseits ordnet der Zugersee-Schifffahrt mehrere Epochen zu. Nach der geschilderten brach 1897 mit der Eröffnung der rechtsufrigen Eisenbahnlinie Zug – Arth-Goldau der Schiffsverkehr zusammen und diente bis 1977 vorneweg dem Grundangebot des Lokaltourismus, geprägt durch die beiden Schiffe Rigi (II) und Schwan (I), ehe ab 1978 die Event-Schifffahrt den Zugersee eroberte.

Nun galt es, Entwirrung zu schaffen. Die «Schwan» I, dürfte nach der hiesigen Ausmusterung noch immer auf Frankreichs Kanalsystem umhertuckern. Eine geradezu abenteuerliche Odyssee erlebte die seit 2001 auf dem Zugersee kurvende «Schwan» II: Im Jahr 1918 als Dienstleistungs-Barkasse des Hafens Hamburg erbaut, verkehrte das Schiff 1923 bis 1928 unter dem Namen Morgarten (II) auf dem Ägerisee – ergo als einziges Schiff beide Seen befahrend, sodann auf dem Thuner-, ab 1950 unter der Bezeichnung Harder auf dem Brienzersee.

Auch die Ägerisee-Schifffahrt, betreut durch den Vitrinengestalter Philippe Bart, gliedert Amstad in drei Epochen. Der aufkommende Tourismus und der Anschluss des öffentlichen Verkehrs an die SOB-Haltestelle Sattel und ab 1908 das Morgartendenkmal befeuerten den Start 1890 bis 1928, abgelöst durch die Bootsbauerfamilie Nussbaumer, Oberägeri, mit deren Ausflugs-Motorbooten bis 1972 und seither der Bewirtschaftung seitens der öffentlichen Hand.

Betörende Wasserlinienmodelle

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung galt den sechs Wasserlinienmodelle der Schiffe, aufgrund von Plänen oder bloss Bildern grossartig verfertigt durch Erich Liechti, Wimmis. Die beiden leidenschaftlichen «Seebären» Heinz Amstad und Jürg Meister präsentierten diese Wunderstücke anschaulich und auf zig Fragen der Gäste hin bis in die kleinsten Facetten: ein rares Zeugnis pädagogisch gelebter Schiffsbaukunst.

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