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Zugs Stadtrat sieht keinen Kinderärztemangel

In der Antwort auf die Interpellation «Steht Zug bald ohne Kinderärzte da?» sieht die Exekutive keinen Grund zu handeln.
Andrea Muff

In einer Interpellation fragt die Fraktion Alternative-CSP den Stadtrat «Steht Zug bald ohne Kinderärzte da?». Begründet wird der Vorstoss damit, dass es auf Stadtzuger Boden momentan nur noch eine einzige Kinderarztpraxis gebe. Nun hat die Stadtregierung geantwortet. Sie sieht keinen Grund zur Beunruhigung, denn eine Unterversorgung sei nicht vorhanden und auch nicht absehbar, ist der Antwort zu entnehmen.

Die Frage, ob die Stadt es als wichtig erachte, dass Zug auch in Zukunft eine moderne Kinderarztpraxis beherbergen werde, beantwortet sie, dass der Fokus ausschliesslich auf die Stadt Zug zu legen, «nicht zielführend» sei. Wichtiger sei bei einem kleinräumigen Kanton eine umfassende Sicht auf den ganzen Kanton zu werfen. So gebe es dort 20 Kinderärzte. «Dabei ist zu beachten, dass diese Zahlen der Anzahl Personen und nicht der Anzahl Vollzeitstellen entspricht», heisst es in der Interpellationsantwort. 17 Kinderärzte sind in Gruppenpraxen tätig: 4 Ärzte bei Kinderärzte Lorzenpark in Cham, 5 beim Kinderzentrum Lindenpark in Baar, 3 in der Praxis Kunterbunt in Baar, und 5 Ärzte arbeiten bei der Baarer Kinderarztpraxis. Weiter verweist die Stadt auf die Studie «Ambulante Versorgungsstruktur und Bedarfsanalyse Schweiz» von Santésuisse, welche bestätigt, dass - bezogen auf das Basisjahr 2015 - für die Region Zug «eine relativ starke Überversorgung» zu beobachten sei, für das Zieljahr 2030 erwartet die Studie «eine deutliche Überversorgung». Der Stadtrat präzisiert: «Es kann durchaus sein, dass es in gewissen Gemeinden des Kantons weniger Kinderärztinnen und -ärzte gibt als in anderen. Gerade in dicht besiedelten Gebieten sind jedoch Gemeindegrenzen nicht unbedingt massgebend für die Versorgung.» Es sei daher nicht sinnvoll, eine notwendige Anzahl Kinderärzte festzulegen.

Keine Beteiligung an Gruppenpraxen

Weiter wird in der Antwort des Stadtrats auf den Schularztdienst verwiesen, der jeweils im obligatorischen Kindergartenjahr, in der 5. Klasse und in der zweiten Oberstufe stattfindet. Die Interpellanten fragen auch, ob die Stadt allenfalls bereit wäre, sich in irgendeiner Weise finanziell an der Errichtung einer Kinderarzt-Gruppenpraxis zu beteiligen. Der Stadtrat erachte eine solche Beteiligung nicht als die Aufgabe der öffentlichen Hand, heisst es. «Dies würde ein Präjudiz zu anderen privat betriebenen Arztpraxen (auch Gruppenpraxen) auslösen.» Des Weiteren könnten etwa andere spezialisierte Berufsgruppen mit einer Beitragsforderung an die Stadt Zug gelangen, befürchtet der Stadtrat. Die Interpellanten schlagen vor, aus dem Haus an der Ägeristrasse 7 nach dem Umzug der Stadt ein «Gesundheitshaus für Kinder» zu machen. Sie fragen, ob die Stadt sich vorstellen könnte, dafür Hand zu bieten. Dazu schreibt die Stadt, dass das Haus zur Vermietung ausgeschrieben sei und keine Präferenzen bestehen würden. Die Stadt verweist aber darauf, dass das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert unter Denkmalschutz stehe und Anpassungen bewilligt werden müssten. «Sowohl die sanitären und hygienischen Anforderungen als auch eine Lüftung respektive Klimatisierung des Gebäudes sind jedoch erfahrungsgemäss nur mit erheblichem Aufwand umsetzbar.» Zudem beurteilt der Stadtrat Lage, Verkehr und Erschlies­sung «als kritisch»: Eine direkte Vorfahrt vor das Gebäude sei nicht möglich.

Interpellantin sieht Desinteresse der Stadt

Mit der Beantwortung ist Interpellantin Monika Mathers-Schregenberger nicht zufrieden. Die CSP-Gemeinderätin findet deutliche Worte: «Im Grossen und Ganzen kommt mir die Antwort dürftig und nicht gross recherchiert vor.» Sie verweist etwa auf den Bericht der Parlamentarischen Gruppe Kinder- und Jugendmedizin, der sich auf internationale Studien stütze und besage, «dass es zur Versorgung von 1000 Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren einen Kinderarzt braucht», zitiert Mathers. Sie schlussfolgert: «Das würde heissen, dass die Stadt allein jetzt 5,5 Kinderärzte – also 550 Stellenprozente – und in 30 Jahren wahrscheinlich 900 Stellenprozente brauchen würde.» Sie fasst zusammen: «Kurz: Aus der ganzen Beantwortung strahlt das Nicht-Interesse, sich mit dem Thema ernsthaft zu befassen, heraus.»

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