Leserbrief

Zum Verrat von innen

Gedanken eines Lesers zum Jahresende

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Der Zufall wollte es, dass dieser Ausschnitt aus einer Rede des römischen Redners, Denkers und Philosophen Marcus Tulius Cicero (3.Januar 106 bis 7. Dezember 43 v.Chr.) just zum Jahresende auf meinem Schreibtisch gelandet ist. Seine Prophezeiungen sind eingetroffen und behalten damit ihre Aktualität auch in unseren Tagen, im Besonderen bezogen auf unser kleines, souveränes, selbstbestimmtes Land, dem eine eigenständige Existenz ausserhalb der gleichgeschalteten Union von den EU-Oligarchen (und ihren Schweizer Anschlussfreunden) abgesprochen wird: «Eine Nation kann ihre Narren und sogar ihre ehrgeizigsten Bürger überleben. Aber sie kann nicht den Verrat von innen überleben. Der Verräter arbeitet darauf hin, dass die Seele einer Nation verfault. Er infiziert den politischen Körper der Nation dergestalt, bis dieser seine Abwehrkräfte verloren hat. Fürchtet nicht so sehr den Mörder – fürchtet den Verräter, er ist die wahre Pest!» (Marcus Tulius Cicero).

Cicero wurde ermordet. Die korrupten, ausschweifenden, egoistischen römischen Oligarchen schwelgten weiterhin in ihren Orgien und versuchten, dem Volk ihre Meinung und die von ihnen gewünschten Verhaltensweisen aufzudrängen. Das Volk wurde mit Brot und Spielen (damals Gladiatorenkämpfe, heute Fussball) bei Laune gehalten. Die Verantwortungsträger verloren völlig den Überblick, und das Römische Reich endete in Selbstzerfleischung.

Wenn ich mir das Wahlplakat der SVP mit dem wurmstichigen Apfel vor Augen führe, muss ich sagen, so unterschiedlich ist die Geisteshaltung der Oberschichten im untergegangenen Römischen Reich und in unserem bescheidenen heutigen Helvetien gar nicht.

Robert Nieth, Walchwil