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Leserbrief

Zur Philosophie des Fussballs

Fussball ist mehr als nur Fussball. Gedanken zur gegenwärtigen Weltmeisterschaft

Über den Fussball sind Hunderte von Büchern geschrieben worden. Er ist ein Massenphänomen, das Millionen in Bann zieht. Das gelingt Einzelsportlern nicht im gleichen Masse. Der Grund mag sein, dass Fussballer eine Nation repräsentieren. Aber dies allein genügt nicht, das Phänomen zu verstehen. Es muss tiefere Gründe geben. Fussball ist ein Spiegel des Lebens. Er repräsentiert Grundphänomene des menschlichen Daseins, mit denen jeder Mensch konfrontiert ist. Fussball ist Kampf, ist Arbeit und ist Spiel. Die Kombination dieser drei Faktoren führt zu Sieg oder Niederlage. Sie fasziniert den Menschen. Dabei kommt dem Spielcharakter herausragende Bedeutung zu.

Fussball ist Kampf. Das Leben selbst ist ein Kampf, und der Kampf um den Ball ist dabei ein symbolischer Akt. Steht eine Mannschaft ohne Begeisterung, ohne Siegeswille, ohne Kampfgeist auf dem Platz, verdient sie sich keinen Preis und kein Lob. Spieler, die das Letzte aus sich herausholen, begeistern, selbst wenn die Mannschaft am Ende verliert. Der Zuschauer will erkennen können, dass jeder auf dem Platz kämpft, angreift, den Ball erobert und nachsetzt, wenn er ihn verliert.

Fussball ist Arbeit. Eine Nationalmannschaft bereitet sich durch intensives Training, aber auch durch die Theorie auf Spiele vor. Ein Fussballer nimmt zahlreiche Entbehrungen auf sich, um der eigenen Mannschaft zu dienen. Diese Arbeit erledigt er nicht nur mit den Beinen. Er braucht auch Esprit, um die Taktik des Trainers umsetzen zu helfen. Darin steckt der geistige Teil der Arbeit. Ohne Lernwille wird kein Fussballer gross. Auch hierin ist der Fussball ein Sinnbild des Lebens. Ist er nicht bereit an sich zu arbeiten, hat er auf dem Spielplatz nichts verloren. Zuschauer durchschauen die Taktik der Mannschaft. Sie bemängeln, wenn das Spiel nicht mit überraschenden Spielzügen die eigene Routine überwindet.

Fussball ist auch Spiel. Das Spiel gehört zu den Grundphänomenen des Daseins. Es setzt dem Fussball die Krone auf. Das Spielerische nimmt der Arbeit und dem Kampf ihre Schwere. Der Fussballer als Homo ludens, als spielerisches Wesen gibt dem, was erarbeitet wird, die Leichtigkeit. In der Spiellust kommt die Mannschaft zur höchsten Entfaltung. Ihr gelingen raffinierte Kombinationen und Spielzüge, die den Ball vor das Tor des Gegners führen.

Jeder, der zuschaut, ist beglückt, wenn die spielerischen Elemente überwiegen und zum Sieg einer Mannschaft führen. Der Zuschauer spürt in diesen Augenblicken, wie ein derartiges Spiel die ganze Mannschaft verändert. Es geschieht etwas, dass nicht genau erklärbar ist. Das Unerklärbare bricht ins Spiel ein. Die alten Griechen verdankten eine solche Verwandlung dem Eros, dem Gott des Spiels und der Leichtigkeit. Er entzündet den Spielrausch der Mannschaft. Kommentatoren geraten in Erstaunen und in einen masslosen Jubel, wenn sie mitansehen, wie der Eros die Mannschaft beflügelt. Sie können sich kaum mehr fassen, überborden in ihren Worten, die nicht gewählt, sondern ihnen einfach aus der Zunge springen und über die Medien in die Welt hinaus branden. In solchen Momenten wird der Fussball phänomenal und offenbart, was dem Menschen gelingen kann, wenn er Kampf, Arbeit und Spiel kombiniert.

Andreas Iten, Unterägeri

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