ZURLAUBENPREIS: Landis&Gyr-Stiftung zeichnet Bibliotheken aus

Die Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr hat den 5. Zurlaubenpreis für Sprach- und Buchkultur dem Verein Bücher ohne Grenzen Schweiz (VBOGS) zuerkannt. Der Preis ist mit 100?000 Franken dotiert

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Der VBOGS ist die Dachorganisation der interkulturellen Bibliotheken in der Schweiz. Der Zurlaubenpreis wird für besondere Verdienste in der Förderung von Sprach- und Buchkultur vergeben, letztmals 2008 an die Solothurner Literaturtage. Er ist nach dem Zuger Gelehrten, Literaten und Offizier in französischen Diensten Beat Fidel Zurlauben (1720-1799) benannt, dessen europaweiter Briefwechsel und Bibliothek den Grundbestand der Aargauischen Kantonsbibliothek bilden.

Der VBOGS ( www.interbiblio.ch ) entstand 1993 und fasst als Dachverein schweizweit 18 interkulturelle Bibliotheken zusammen, welche alle mit unterschiedlichen Namen auftreten. Als erste interkulturelle Bibliothek in der Schweiz wurde 1988 in Renens (VD) Globlivres gegründet. Inzwischen breitet sich das Netz über 12 Kantone in allen Sprachregionen aus. Weitere Bibliotheken sind in Vorbereitung. Mit dem VBOGS werden alle in diesem Umfeld tätigen 18 Bibliotheken gesamthaft geehrt.

Bibliotheken als Integrationsinstrument
Seit weit über 20 Jahren arbeiten engagierte Schweizerinnen und Schweizer aus allen Sprachregionen mit ebenso engagierten Kreisen aus der anderssprachigen Bevölkerung zusammen und haben interkulturelle Bibliotheken gegründet und ausgebaut. Dadurch entstand ein wichtiges Integrationsinstrument in der vielsprachigen Schweiz, das gleichzeitig auch ein (inter)kultureller Katalysator ist. Eine grosse Zahl Jugendlicher und Erwachsener aus der ausländischen, aber auch der schweizerischen Bevölkerung werden zum Lesen von Büchern aus anderen Kulturen, die inzwischen in der Schweiz vertreten sind, angeregt.

Das umfangreiche Angebot von Büchern und anderen Medien in den Sprachen der bei uns lebenden anderssprachigen Bevölkerung wertet deren Kultur auf, erweitert das Wissen um andere Kulturen und schafft ein Klima gegenseitiger Achtung. Dabei stehen der Erfahrungsaustausch, das Verständnis für die kulturelle Vielfalt und das Zusammenleben mit Menschen aus verschiedenen Ländern im Mittelpunkt. Besonders wichtig ist die Förderung und Pflege der Erstsprache oder Herkunftssprache bei Kindern und Jugendlichen als Voraussetzung zum Erwerb einer Zweitsprache, ob Deutsch, Französisch oder Italienisch.

Von Freiwilligen getragen
Der VBOGS deckt ein ausserordentlich breites inhaltliches und geographisches Spektrum ab. Während die einzelnen Bibliotheken unabhängig arbeiten und wirtschaften, bemüht sich der Dachverein um deren Vernetzung, die Weiterbildung des Personals, die Vermittlung von schwer erhältlicher fremdsprachiger Literatur und von Lesetourneen ausländischer Autoren in den Mitgliedsbibliotheken. Die Tätigkeit des VBOGS sowie seiner Mitglieder beruht grösstenteils auf Freiwilligkeit und ist von viel Idealismus getragen.

Der Zurlaubenpreis für Sprach- und Buchkultur soll den grossen und nachhaltigen Einsatz von unzähligen freiwilligen Kräften, insbesondere von Frauen, honorieren und gleichzeitig die knappen Ressourcen des Dachvereins etwas aufstocken, so dass weitere Projekte lanciert werden können. Das Engagement, gemeinsam Informationen über andere Kulturen und Gesellschaften zu vermitteln, trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen. Es geht dabei um Aktivitäten, welche den gegenseitigen Respekt und die Verständigung in der vielsprachigen Schweiz fördern.

Die Preisübergabe wird im Juni 2010 in Bern im Rahmen der Delegiertenversammlung des VBOGS stattfinden.

pd