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Kantonsschule Ennetsee: «Zurück auf Feld eins»

Das doppelte Nein zur Kanti Ennetsee am Standort Allmendhof/Röhrliberg in Cham bedeutet für den Regierungsrat vor allem eins: Er muss eine Auslegeordnung machen. Ein Plan B existiert nicht.
Carmen Rogenmoser und Andrea Muff
Der Ausbau der Kantonsschule Zug am Lüssiweg kann eine Option sein. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Februar 2018)

Der Ausbau der Kantonsschule Zug am Lüssiweg kann eine Option sein. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 28. Februar 2018)

Die Stimmbevölkerung der Gemeinde Cham fällte am Wochenende eine Entscheidung, die nicht nur die Wohngemeinde betrifft, sondern Auswirkungen auf den Bildungsstandort Kanton Zug hat. Die Stimmberechtigten erteilten der geplanten Kantonsschule Ennetsee eine Abfuhr: 53 Prozent sagten Nein zur Vorlage «Teiländerung des Zonenplans», und rund 55 Prozent verwarfen den Standortbeitrag von 20 Millionen Franken. Mit dem Nein erhält Cham nun auch die rund 4 Millionen Franken nicht. Beim Chamer Gemeinderat war die Enttäuschung gestern gross. Gegen die Vorlagen stellte sich ein Nein-Komitee bestehend aus Vertretern der Linksparteien, dem Verein Mehr Wert Cham und der IG Allmendhof. Sie seien nicht gegen eine Kanti in Cham, jedoch nicht am Standort Allmendhof/Röhrliberg. Nun ist der Regierungsrat wieder an der Reihe.

«Zurück auf Feld 1», wie es Baudirektor Florian Weber ausdrückt. Der Richtplan müsse nun konsequenterweise angepasst werden. «Der Standort für eine Kantonsschule existiert ja nun nicht mehr», erklärt Weber. Es muss nun die Situation geprüft werden und Alternativen gesucht werden. Einen Plan B gebe es nicht, so Regierungsrat Weber. Alles sei wieder offen: ein neuer Standort für einen neuen Schulkomplex oder der Ausbau der bestehenden Kantonsschulstandorte. Beides Möglichkeiten, die in Betracht kommen.

Entscheid verunmöglicht Umsetzung der Mittelschulplanung

Die Planungsphase wird wohl sowieso Jahre dauern. Mit der vorgesehenen Kantonsschule am Standort Allmendhof/Röhrliberg waren die Behörden bereits über zehn Jahre beschäftigt. «Momentan haben wir genug Ressourcen», versichert Weber. In den nächsten ein bis zwei Jahren gebe es sicher noch keinen Schüler-Engpass. Trotzdem sei der Regierungsrat nun gefordert und müsse unter Hochdruck vorwärts machen. «Das Wachstum ist da, und bis der Prozess zum Laufen kommt, dauert es.» Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Kantonsrat: «Als letzte Instanz genehmigt er schlussendlich den Standort im Richtplan.»

Die Kantonsschule als Standortvorteil

Die Reaktionen aus den Zuger Kantonalparteien auf das Abstimmungsresultat sind gemischt. Die Alternative-die Grünen (ALG) sind froh, «dass die Chamerinnen und Chamer mit dem Hinterzimmer-Deal seitens der Behörden nicht einverstanden waren», schreibt Präsident Andreas Lustenberger. Das Stimmvolk hätte sich nicht beirren lassen und sich «klar für den Erhalt der grünen Lunge ausgesprochen.» Auch sei der Entscheid eine bildungspolitische Chance: «Die Alternative-die Grünen stehen zum dualen Bildungssystem der Schweiz.» Laut Barbara Gysel, Präsidentin SP Kanton Zug, ist der Entscheid «konsequent, vernünftig, ökologisch und sozial nachhaltig». Denn damit sei dem weiteren Verlust von Grünflächen den Riegel geschoben worden. Der Entscheid vermeide das «Verschleudern von Steuergeldern und Beiträgen aus dem ZFA-Topf», so Gysel. Sie verweist zudem auf die Idee von alt SP-Kantonsrat Markus Jans, der 2012 in einer Motion die Prüfung des Papieri-Areals forderte. «Die Pavatex schliesst nun ihre Tore, womit sich ein weiterer Standort ergibt», meint Barbara Gysel.

Ein wenig anders beurteilt die GLP das Abstimmungsresultat: «Für die Mittelschulplanung ist es ein Rückschritt», findet Vizepräsident Daniel Stadlin und fügt hinzu: «Es blockiert einerseits den unumgänglichen, demografisch indizierten bildungspolitischen Ausbau des Mittelschulangebotes in den stark wachsenden Gemeinden Cham, Hünenberg und Risch-Rotkreuz und bringt andererseits den Standort Zug in einen Entwicklungsnotstand.» Stadlin findet klare Worte: «Das Chamer Nein ist letztlich, ob gewollt oder nicht, ein Entscheid gegen den Bildungsstandort Kanton Zug.»

Die SVP sieht den Entscheid als «herben Rückschlag – für Cham und für den ganzen Kanton», so Kantonalpräsident Thomas Aeschi. «Mit dem Entscheid in Cham ist dieser Planungsansatz nicht mehr realisierbar. Eine Kantonsschule auf dem Gemeindegebiet wäre für Cham ein riesiger Standortvorteil.» Aeschi schreibt: «Die SVP ist überzeugt, dass die Mittelschulplanung 2012 die ‹Best-Variante› war, nicht nur in pädagogischer, sondern auch in finanzieller Hinsicht.»

Die Präsidentin der CVP Kanton Zug, Laura Dittli, bezeichnet den Entscheid ebenfalls als «herben Rückschlag»: «Wichtig ist, dass wir trotz der steigenden Schülerzahlen weiterhin eine hohe Bildungsqualität bieten können. Dies muss meines Erachtens an den bisherigen Standorten sichergestellt und die Planung eines neuen Standortes unverzüglich angegangen werden.» Dittli fügt an: «Jetzt einfach rasch einen Plan B aus der Schublade zu ziehen, wäre vermessen und alles andere als seriös.»

Auch die FDP Zug bedauert die Ablehnung, «denn in unseren Augen ist es eine verpasste Chance», teilt Vizepräsident Patrick Mollet mit. Der zusätzliche Schulraum werde benötigt: Kurzfristig gebe es noch Reserven, aber langfristig komme man nicht um einen Neubau herum. Auch die FDP betont den Standortvorteil einer Kantonsschule. «Nun ist der Fächer wieder komplett offen und der ganze Kanton Zug kommt als Standort in Frage», so Mollet. (mua)

Vom Abstimmungsresultat überrascht zeigt sich Landammann und Bildungsdirektor Stephan Schleiss: «Ich habe bis zum Schluss geglaubt, es gäbe ein doppeltes Ja.» Da es jetzt aber ganz anders kam, brauche es erst einmal eine «Auslegeordnung». Schleiss erklärt: «Dieser Entscheid verunmöglicht die Umsetzung der im Richtplan verankerten Mittelschulplanung 2012. Es ist also eine neue Lage eingetreten.» Die Mittelschulplanung sei sehr fundiert und politisch breit abgestützt gewesen, die Mehrheiten bei der entsprechenden Richtplananpassung 2013 seien sehr solide gewesen. «Die Standortgemeinde und der ganze Ennetsee haben diese Schule an diesem Standort ausdrücklich gewollt», sagt Landammann Schleiss und fügt hinzu: «Ich bin überzeugt, dass verfahrensmässig alles sehr gut abgelaufen ist.» Auch er verneint bei der Frage nach einem Plan B. «Der Schulraumbedarf per 2030 ist nachgewiesen – bei gleichbleibender Eintrittsquote ins Langzeitgymnasium nota bene», erklärt Stephan Schleiss. Kurzfristig können alle Klassen in Zug untergebracht werden, ist er sich sicher. Auf lange Frist aber nicht. «Der limitierende Faktor ist die Zeit. Der politische Prozess, bis mit dem Bau der zusätzlich benötigten Kapazitäten begonnen werden kann, dauert erfahrungsgemäss Jahre.» Aber eben, der nächste Schritt heisst: «Wir müssen zuerst eine Auslegeordnung machen», wiederholt Schleiss.

Zugwest wünscht sich Kantonsschule im Ennetsee

Ernüchterung macht sich nach der Abstimmung auch bei der Wirtschaftsregion Zugwest, zu der Cham, Hünenberg und Risch gehören, breit. «Die Kanti Ennetsee war und ist für die Region ein zentrales Bildungsinstitut. So bedeutet der Entscheid vorerst eine verpasste Chance», wird Vorstandsmitglied Peter Hausherr, der auch Gemeindepräsident in Risch ist, deutlich. Der Souverän habe entschieden und das gelte es zu respektieren, «auch wenn wir das als Region bedauern», so Hausherr. «Die Güterabwägung zwischen dem Anliegen und Vorteilen eines Bildungsstandorts und der daraus resultierenden Notwendigkeit, Landwirtschaftsland einzuzonen, wurde für den Standort Röhrliberg gefällt.» Einen gleichwertigen Standort zu finden, sei eine Herausforderung. Hausherr fordert Analysen. In Frage kommende Standorte müssten verkehrstechnisch überzeugen, genügend Flächen bieten und zeitnah als verbindliche Optionen eingebracht werden. «Die Notwendigkeit einer Kantonsschule Ennetsee ist auch aus raumplanerischer Sicht in allen drei Zugwest-Gemeinden und wie bis anhin auch im Regierungs- und Kantonsrat unbestritten.»

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