Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Gesundheitsdirektor Martin Pfister: «Zusammenarbeit wird immer wichtiger»

Den Schweizer Pflegeinstitutionen weht ein rauer Wind entgegen. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister äussert sich zu Spitalschliessungen sowie Fehlanreizen und erklärt, dass Mindestfallzahlen auch im Kanton Zug ein Thema werden könnten.
Laura Sibold
Auch die Zugerinnen und Zuger wollen im Alter immer länger zu Hause wohnen bleiben können, bestätigt der Zuger Regierungsrat Martin Pfister.

Auch die Zugerinnen und Zuger wollen im Alter immer länger zu Hause wohnen bleiben können, bestätigt der Zuger Regierungsrat Martin Pfister.

Martin Pfister, die Schweizer Spitäler geraten immer mehr unter Druck, sie haben mit sinkender Auslastung und steigenden Kosten zu kämpfen. Aussagen, die auch im Kanton Zug zutreffen?

Schweizweit ist zu erkennen, dass die Fallzahlen in den Spitälern nicht wie erwartet ansteigen. Das führt zu einem stärkeren Kostendruck für die Spitäler. Diese Entwicklung trifft auch auf den Kanton Zug zu.

Das Zuger Kantonsspital rechnete für das Betriebsjahr 2018 mit Mindereinnahmen von rund 2,5 Millionen Franken – auch wegen der Regelung ambulant vor stationär.

Die Verlagerung von stationären hin zu ambulanten Eingriffen übt generell einen gewissen Druck auf die Spitäler aus. Dazu kommt der Tarifeingriff des Bundesrats, dieser Effekt ist aber politisch so gewollt. Und davon profitiert die Bevölkerung: Durch sinkende Kosten steigen die Krankenkassenprämien weniger an, ohne dass die Qualität darunter leidet. Aber für Spitäler ist dieser Wandel herausfordernd. Die Kliniken müssen ihre Abläufe und Strukturen anpassen, damit die ambulanten Eingriffe kostendeckend durchgeführt werden können.

In verschiedenen Kantonen laufen Bestrebungen, Spitäler, die nicht mehr rentieren, zusammenzulegen. Ist das auch in der Zentralschweiz denkbar?

Die Zentralschweizer Spitäler sind frei zu prüfen, ob sie durch Kooperationen oder Zusammenschlüsse effizienter werden können. Bereits heute pflegt das Zuger Kantonsspital eine Zusammenarbeit mit dem Triemli sowie mit dem Luzerner Kantonsspital. Auch die Andreas-Klinik arbeitet mit Partnern zusammen. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt und wird immer wichtiger.

Braucht es somit vielleicht schon in zehn Jahren kein Zuger Kantonsspital mehr?

Doch, ich bin überzeugt, dass es das Kantonsspital auch in zehn Jahren noch gibt. Es ist sehr gut aufgestellt und auch unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung im Kanton Zug. Generell werden Regionalspitäler wie das Zuger Kantonsspital auch künftig eine wichtige Rolle erfüllen. Die Regionalspitäler werden möglicherweise künftig gar noch wichtiger. Sie garantieren eine qualitativ gute, wohnortsnahe und unkomplizierte Versorgung in den Regionen. Sie werden sich aber verändern und wahrscheinlich noch stärker auf Kooperationen setzen.

Ein aktuelles Thema sind in diesem Zusammenhang auch Mindestfallzahlen für Eingriffe. Zürich hat diese 2018 als Erstes eingeführt. Bisher hat sich Zug stark am Nachbarkanton orientiert.

Das ist eine Qualitätsdiskussion. Man geht davon aus, dass Spitäler für gewisse Eingriffe eine minimale Zahl von Fällen brauchen, damit diese qualitativ gut erbracht werden können. Dies ist wissenschaftlich gut erforscht und belegt. Die Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK hat deshalb den Kantonen empfohlen, bei der Spitalplanung auf Mindestfallzahlen Rücksicht zu nehmen. Zur Sicherstellung einer guten Qualität spielen jedoch eine Reihe von weiteren Kriterien eine wichtige Rolle. Bei der Überarbeitung der Spitalplanung, welche der Regierungsrat bis 2022 abschliessen möchte, wird er auf die Sicherstellung der Qualität ein Augenmerk legen. Darüber hinaus legen die Kantone eine Liste von hoch spezialisierten Eingriffen fest, die nur an wenigen Kliniken in der Schweiz erbracht werden dürfen. Ich bin als Gesundheitsdirektor Mitglied des Beschlussorgans für die hoch spezialisierte Medizin und unterstütze diese Bestrebungen.

Setzen Mindestfallzahlen nicht auch Fehlanreize, sodass nicht zwingend notwendige Operationen angeordnet werden, um die nötige Schwelle an Eingriffen zu erreichen?

Diese Kritik ist berechtigt. Man kann zwar davon ausgehen, dass Ärztinnen und Ärzte nur Operationen durchführen, für die es medizinische Gründe gibt und die im Interesse des Patienten liegen. Ich habe hier viel Vertrauen in die Fachpersonen an unseren Spitälern. Wenn ein Spital jedoch die Berechtigung verliert, eine gewisse Behandlung durchzuführen, wenn die Fallzahlen zu klein sind, dann besteht ein Fehlanreiz für diese Klinik. Es wird vielleicht auch dann operiert, wenn ein Eingriff noch nicht wirklich nötig ist. Dieser Fehlanreiz ist nicht von der Hand zu weisen.

Unter Druck sind auch die Pflege- heime. Ihnen fehlen Einnahmen, die sie angeblich durch die Einteilung gewisser Bewohner in zu hohe Pflegestufen zu decken versuchen. Dies legten zwei Vorstösse im Stadtparlament dar. Funktioniert die Kontrolle nicht?

Ich bin überzeugt, dass die Pflegeheime sich korrekt verhalten. Bei allfälligen Verstössen handelt es sich höchstens um Einzelfälle. Krankenkassen und Gemeinden, die für die Finanzierung zuständig sind, schauen bezüglich Einstufung sehr genau hin. Aber es ist klar: Der steigende Betriebsaufwand der Pflegeheime ist für diese ein Problem.

In anderen Kantonen spricht man von einem Überangebot an Pflegebetten in Alters- und Pflegeheimen. Ist dies im Kanton Zug auch der Fall?

Wir sind weder zu knapp aufgestellt, noch stehen bei uns zu viele Pflegebetten leer. Die Bettenzahlen sind relativ stabil und bewegen sich in den letzten Jahren zwischen 1100 und 1140. Ein gewisser Anstieg ist nötig, weil die Bevölkerung älter wird. Der erwartete Engpass, von dem in den 2000er-Jahren immer wieder gesprochen wurde, ist aber bis heute nicht eingetroffen. Wir verfügen zurzeit sogar über gute Reserven an Pflegebetten.

Es gibt immer mehr ältere Leute – braucht es da langfristig nicht mehr oder zumindest grössere Pflege- institutionen?

Es ist sehr schwierig, hierzu Prognosen abzugeben, da die Entwicklungen in den kommenden Jahrzehnten nicht vorausgesagt werden können. Es ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, wenn ältere Menschen heute länger zu Hause bleiben können. Mit ambulanten Möglichkeiten wie der Spitex, betreutem Wohnen sowie Tages- und Nachtstrukturen kann diesem Bedürfnis gut nachgekommen werden. Einige Gemeinden wie etwa Risch oder Baar entwickeln auch neue Konzepte für das Wohnen im Alter. Hält dieser Trend langfristig an, kann es gut sein, dass wir auch nach 2025 keine neuen Pflegebetten mehr benötigen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.