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Der Zuwachs an Biohöfen im Kanton Zug ist gering

Wenige Bauern stellen ihren Betrieb um. Bei der Zuger Bioproduzenten-Organisation verzichtet man auf Werbeaktionen, glaubt aber dennoch, das selbst vorgegebene Ziel zu erreichen.
Daniel Hügli
Ruedi Hess setzt seit Beginn seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit auf Bioproduktion. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 23. Januar 2019))

Ruedi Hess setzt seit Beginn seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit auf Bioproduktion. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 23. Januar 2019))

2017 hat sich Bio Zug ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2025 sollen 25 Prozent aller Landwirtschaftsbetriebe in Zug Biobetriebe sein. Bio Zug ist Mitglied von Bio Suisse, der Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen.

Vor zwei Jahren lag der Anteil der Biobetriebe in Zug bei 16 Prozent, womit sich Zug über dem Schweizer Durchschnitt von 13 Prozent befand. In absoluten Zahlen waren es 75 Betriebe. Heute sind es mit 81 nicht viel mehr, die nach den Richtlinien von Bio Suisse produzieren und damit das Label «Bio-Knospe» erhalten.

Wandel im Konsumverhalten als Chance

Trotzdem ist Peter Waltenspül, Biolandwirt in Neuheim und Präsident von Bio Zug, optimistisch, das Ziel erreichen zu können. Die Nachfrage nach Bioprodukten sei nämlich noch immer steigend. «Zudem stimmt mich das Bekenntnis von Coop, den Umsatz mit Bioprodukten bis 2025 auf 25 Prozent zu steigern, zuversichtlich.»

Anfänge der Zuger Biobewegung


Im Jahr 1987 erschien eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau. Diese thematisierte unter anderem, wie Biobetriebe die Gewässerqualität des Zugersees verbessern können. Diese Studie gilt im Kanton Zug als Auslöser der Bewegung, die zu einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Biobetrieben führte. Den folgenden Boom in den 1990er-Jahren unterstützten Beiträge, die Landwirte für den Wechsel ihrer Produktion zu Biostandards erhielten. Bei diesen sogenannten Umstellungsbeiträgen handelte es sich um einen einmaligen Beitrag pro Betrieb seitens des Kantons Zug. (dhü)

Es gebe auch einen Wandel im Konsumverhalten. «Der Konsument setzt sich vermehrt mit der Herstellung und Herkunft unserer Nahrungsmittel auseinander und ist diesbezüglich sensibler geworden.» Dieser Sinneswandel sei auch in der Politik bemerkbar, da vergangene und kommende Initiativen unsere Umwelt und die Herkunft unserer Lebensmittel thematisieren würden.

Der Bio-Zug-Präsident sieht eine allgemeine positive Bewegung in der Landwirtschaft. «Wir Biobauern sind Vorreiter bezüglich aktueller Themen wie Klima, Pflanzenschutzmittel, Antibiotika, Ernährung und Tierschutz. Aber auch die konventionelle Landwirtschaft hat grosse Fortschritte in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit gemacht.»

Ein Generationenwechsel kann hilfreich sein

Ein Hindernis für den Zuwachs an Biobetrieben sei gemäss Waltenspül, dass viele Landwirte es müde seien, neue Wege zu beschreiten. In den letzten Jahren habe es für sie immer mehr Belastungen gegeben. «Es herrscht ein Trend, den eigenen Betrieb zu vergrössern, aufzustocken oder zu spezialisieren. Dies ist mit mehr Arbeit verbunden. Auch der administrative Aufwand ist dauernd gestiegen und mit der Weiterentwicklung der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2022 gibt es laufend Änderungen, die auf die Betriebe zukommen. Ein Generationenwechsel ist meistens ausschlaggebend für eine Umstellung», führt Waltenspül aus.

Aber auch ein Generationenwechsel bringt nicht zwingend eine Veränderung. Der Biologe und Biolandwirt Ruedi Hess (55), der seit 1991 mit seiner Frau Mariann (60) einen Biobetrieb in Unterägeri betreibt, erklärt: «In landwirtschaftsgeprägten Familien ist es durchaus möglich, dass die nachfolgende Generation unter Druck oder Routine steht, den Hof auf eine bestimmte Weise zu führen und deshalb nicht eine biologische Bewirtschaftung macht.»

Bei ihm sei das nicht der Fall gewesen. «Ich und meine Frau haben 1990 angefangen mit der Landwirtschaft und kamen beide aus Familien, die nicht in diesem Bereich tätig waren. So entschieden wir uns für die umweltfreundliche Bioproduktion – und sehen bis heute keine Nachteile darin».

Die Bioproduktion ist rentabel

Ein Grund, um auf Bioproduktion umzustellen, sei die hohe Wirtschaftlichkeit, so Peter Waltenspül. Denn die Verkaufspreise seien wesentlich höher als im konventionellen Bereich und die Prognosen seien sehr vielversprechend. «Bio hat in Zug sehr gute Chancen, vor allem im Direktverkauf und im Detailhandel verfügen wir in Zug über eine gut verdienende Bevölkerung.»

Ob die höheren Verkaufspreise die Bioproduktion für Landwirte wesentlich lukrativer machen, ist nicht eindeutig. Ruedi Hess erhält für seine Jungrinder aus Mutterkuhhaltung 30 Rappen mehr pro Kilo Schlachtgewicht. Das ergebe einen bescheidenen Mehrpreis von 60 Franken pro Tier. Hess sieht die Wirtschaftlichkeit der Biolandwirtschaft in den tieferen Ausgaben. «Früher wollten Landwirte möglichst viel produzieren, um mehr zu verkaufen und so mehr zu verdienen. Dies macht aber bei den heutigen tiefen Preisen aller landwirtschaftlicher Produkte keinen Sinn mehr», so Hess. Die Kosten für Dünger, Pestizide, Maschinen, Diesel, Tierarzt, Gebäude et cetera seien viel zu hoch.

«Bei jedem Schritt wird quasi Nahrung zur Tierfütterung verbraucht, die der Mensch direkt konsumieren könnte. Fleisch ist für mich deshalb ein Luxusprodukt.»

Für Ruedi Hess ist nicht der finanzielle Aspekt der Grund für die Biolandwirtschaft, sondern, dass die Umwelt weniger belastet werde. Ihr zuliebe nutzen Ruedi und Mariann Hess seit mehreren Jahren einen beträchtlichen Teil ihrer Wiesen als Äcker zur Produktion von Brotgetreide. Gleichzeitig reduzierten sie ihren Tierbestand. «Kühe produzieren beim Wiederkäuen beträchtliche Mengen Methan, das wesentlich zum Treibhauseffekt beiträgt. Nach Möglichkeit sollte auf ackerfähigem Land kein Viehfutter produziert werden, denn vom Getreide zur Milch und von der Milch zum Fleisch gehen massiv Nahrungskalorien verloren. Bei jedem Schritt wird quasi Nahrung zur Tierfütterung verbraucht, die der Mensch direkt konsumieren könnte. Fleisch ist für mich deshalb ein Luxusprodukt.»

Der Konsument muss nachhaltig denken

Bio-Zug-Präsident Peter Waltenspül sagt, zurzeit habe die Organisation keine neuen Aktionen geplant, um dem eingangs erwähnten 25-Prozent-Ziel näherzukommen. «Unser Credo ist das Vorleben, ‹Tue Gutes und rede davon›. Alle Landwirte sind zudem an unsere Stallvisiten eingeladen, um einen Einblick in die Biolandwirtschaft zu erhalten. Der Austausch unter den Berufskollegen ist der beste Weg.» Darüber hinaus sei das Bewusstsein der Konsumenten genauso wichtig. «Die ganze Bevölkerung ist aufgerufen, sich nachhaltiger zu verhalten. Alleine können wir Biobauern nicht die Welt retten – es müssen alle mithelfen.»

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