ZVB: Die Haltestelle Steinhof in Zug wird vermisst

Seit zwei Monaten folgen die Busse dem neuen Fahrplan. Einige Änderungen haben bereits davor für Ärger gesorgt – und tun es offenbar immer noch.

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Die Infrastruktur ist noch da, genutzt wird die Haltestelle Steinhof in Zug aber nicht mehr. (Bild Stefan Kaiser)

Die Infrastruktur ist noch da, genutzt wird die Haltestelle Steinhof in Zug aber nicht mehr. (Bild Stefan Kaiser)

Carmen Desax

Eine Grossmutter ist an einem regnerischen Sonntag gemeinsam mit ihrem Enkelsohn unterwegs. Die zwei fahren mit dem Bus von der Bossard-Arena, wo sie wohnt, Richtung Casino. Doch der Bus mit der Nummer 6 fährt nur noch bis zum Postplatz. Die beiden müssen also bei der Metalli umsteigen und dann rund 15 Minuten warten. «Neben uns war auch eine Mutter mit zwei kleinen Kindern und eine ältere Dame im Bus», gibt die Rentnerin Auskunft. Für keine sei es in Frage gekommen, die Strecke zu Fuss zurückzulegen. «Zusammen mit dem Bus hat auch der Chauffeur 15 Minuten gewartet», erzählt die Frau weiter. Das sei doch Unsinn, findet sie. Und sie ist nicht die Einzige: «Am Abend und am Wochenende ergeben sich aufgrund der Ausdünnung des Fahrplans relativ lange Reisezeiten», sagt auch Andreas Hürlimann, Steinhauser Gemeinderat. Mit Ausdünnung meint er, dass die Linien 3, 6, 11, 12, 13 und 16 am Abend und am Sonntag nicht mehr im 15-Minuten-, sondern im 30-Minuten-Takt fahren. Hürlimann, der selber fast täglich Bus und Bahn fährt, sagt, dass er von den Änderungen ebenfalls betroffen sei.

Viele Reklamationen bei den ZVB

Die beiden sind nicht die Einzigen, die sich ärgern. Seit der Fahrplanänderung vom 13. Dezember hält die Empörung an. Dazu trägt auch die Aufhebung der Bushaltestelle Steinhof in der Stadt bei. Der Unmut darüber kommt immer wieder in Leserbriefen in unserer Zeitung zum Ausdruck.

Kathrin Howald, Mediensprecherin der ZVB, kann diesen Eindruck bestätigen: «Wir haben mehr Reklamationen von Fahrgästen als im Jahr zuvor.» Mit Abstand am meisten betreffen diese Reklamationen, die beim Kundendienst der ZVB eingehen, die Taktveränderungen am Sonntag und die Aufhebung der Haltestelle Steinhof in Zug. Vor allem wenn die Busse nun eine Viertelstunde bei der Metalli warten und die Fahrgäste das natürlich mitbekommen, versteht sie deren Unmut. «Unsere Busse warten jeweils den Fernverkehr aus Zürich und Luzern ab. Das bedingt eine etwas längere Standzeit.» Jemand, der nicht bei der Metalli ein- oder aussteigen muss, warte darum etwas länger. Die Bushaltestelle Steinhof werde «offensichtlich vermisst». Bis vor zwei Monaten hielten dort die Buslinien 3, 4, 6, 7 und 11. Die Aufhebung wurde, genau wie die Taktveränderung, im Rahmen des kantonalen Entlastungsprogramms getätigt. Rund 60 000 Franken spart die Stadt damit (wir berichteten).

Buschauffeure an vorderster Front

«Die Aufhebung einer Haltestelle bestimmt die jeweilige Gemeinde», erklärt Howald. «Wir bedienen jene Linien und Haltestellen, die bei uns von der Stadt, dem Kanton oder den Gemeinden bestellt werden.» Die ZVB führen also einfach die politischen Entscheide aus. Das versuche der Kundendienst den verärgerten Fahrgästen dann auch mitzuteilen. «Das sind alles Profis, die dort arbeiten», sagt die Mediensprecherin.

Betroffen von Reklamationen sind in vielen Fällen aber auch die Buschauffeure. Sie werden regelmässig direkt von verärgerten ÖV-Benutzern angegangen. «Unser Fahrpersonal ist mit Visitenkarten unseres Kundendienstes ausgestattet, diese können sie den Fahrgästen abgeben», so Howald. Aus Zeit- und Sicherheitsgründen könnten die Chauffeure und Chauffeusen den Kunden nicht ausführlich erklären, weshalb der Fahrplan so ist, wie er nun mal ist.

Einsparungen von 1,1 Millionen

Insgesamt 1,1 Millionen Franken sparen wollte der Kanton mit dem Angebotsabbau. «Das war damit realisierbar», gibt Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amts für den öffentlichen Verkehr, auf Anfrage Auskunft. Die Anzahl Haltestellen seien aber Sache der Gemeinden. Weber und sein Team sind vor allem an der Fahrplanstabilität interessiert. «Die Aufhebung der Haltestelle Steinhof hilft dieser Stabilität, da es in der Nähe viele weitere Haltestellenmöglichkeiten gibt.» Deshalb sei dieser Vorschlag auch unterstützt worden. «Es gab beim Fahrplanwechsel aber nicht nur einen Abbau, sondern auch einen Ausbau», merkt Weber an. Ein Beispiel kann Andreas Hürlimann anfügen: «Erfreulich für Steinhausen ist die neue Linienführung des 16er. Dieser nimmt die Fahrgäste nun wieder dort auf, wo sie auch sind: beim Metalli oder der Haltestelle Landis & Gyr.» Neben vielen negativen Punkten gebe es so auch etwas Positives zu berichten.

Linie 44 wird nachgetrauert

Davon kann in Hünenberg nicht die Rede sein. Die Aufhebung der Linie 44 hat zu grossem Widerstand geführt – vergebens. Der Testbetrieb mit dem Bus, der das Gebiet Sonnhalde abdeckt, wurde nach zwei Jahren eingestellt und nicht wie geplant für drei Jahre durchgezogen. «Uns hätten vor allem konkrete Zahlen interessiert. Aber die standen nicht zur Verfügung», erklärt Gemeinderätin Renate Huwyler. Nun wisse sie nicht, ob die Linie 44 Potenzial gehabt hätte. Der Bus werde nach wie vor vermisst. «Wir haben uns eingesetzt, mussten die bittere Pille des Regierungsrates aber schlussendlich schlucken.»