Leserbrief
Zwei Lesermeinungen zu den Agrar-Initiativen

Zur eidgenössischen Abstimmung über die Trinkwasser- und die Pestizid-Initiative vom 13. Juni

Merken
Drucken
Teilen

Die zwei Agrar-Initiativen geben vor, dass durch sie das Trinkwasser geschützt und eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich wird. Doch sind die Vorlagen derart überzogen, dass sie genau das Gegenteil verursachen werden: einen negativen Effekt auf die Umwelt. Die Schweiz hat durch einheimische Lebensmittelherstellung aktuell einen Selbstversorgungsgrad von rund 60 Prozent. Verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen deutlich auf, dass durch eine Annahme der beiden Initiativen ein Ertragsrückgang in der Lebensmittelproduktion von 40 Prozent zu erwarten wäre. Diese Ausfälle könnten einzig durch klimaschädliche Auslandimporte ausgeglichen werden. Die CO2-Bilanzen von Importwaren sollten unsere Alarmglocken zusätzlich schrillen lassen.

Die Trinkwasser-Initiative fordert, dass der Tierbestand ausschliesslich mit auf dem Betrieb produziertem Futter ernährt werden darf. Die lapidare Tatsache, dass dadurch zum Beispiel die wenigsten Zuger Bauernfamilien noch Hofhühner halten könnten, weil sie selber nicht die landschaftlichen Voraussetzungen haben, einen dafür notwendigen Weizen-Ackerbau zu betreiben, verdeutlicht die massiven Auswirkungen. Eine Artenvielfalt, die einen gesunden Landwirtschaftskreislauf sicherstellt, wird auf vielen Betrieben – wenn sie denn weiter existieren können – nicht mehr möglich sein. Im Gegenteil, zwingt doch die angestrebte Gesetzeslage mit ihrer ausschliesslichen Bindung an die Direktzahlungen viele Bauern gar dazu, aus dem Direktzahlungssystem auszusteigen und dadurch eine unkontrollierte und umweltschädliche Massenproduktion anzustreben. Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern arbeiten heute schon mit grossem Umweltbewusstsein und unter Einhaltung striktester Vorschriften.

Durch die zwei Agrar-Initiativen würde man viel bereits Positives kaputtmachen. Gerade die klare Nein-Parolenfassung der Schweizer Biobauern (!) zur Trinkwasser-Initiative macht deutlich, dass wir es hier mit einer Mogel­packung zu tun haben. Bei ihrer Annahme würden weiterhin jährlich 64,8 Tonnen Industrie- und Haushaltschemikalien, 19,8 Tonnen künstliche Süssstoffe und 16,9 Tonnen Arzneimittel den Rhein hinunterfliessen. Pflanzenschutzmittel machen dort die im Verhältnis sehr geringen 0,9 Tonnen aus – welche aber aus oben genannten Gründen wohl nicht mal minimiert würden. Die Trinkwasserqualität würde keineswegs verbessert, aber unsere regionale, biologische und integrierte Landwirtschaftsproduktion wäre vielerorts zerstört. Deswegen lehne ich gerade aus ökologischer Überzeugung die zwei extremen Agrar-Initiativen ab.

Martin Iten, Grosser Gemeinderat CSP, Zug


Landwirtschaft zu betreiben, ist ein Eingriff in die Natur wie alles andere menschliche Wirken und Leben auch. Die Herausforderung für uns Bäuerinnen und Bauern besteht seit jeher darin, die für die Versorgung unserer Bevölkerung notwendigen Lebensmittel so zu produzieren, dass unsere Böden und unsere Umwelt geschont und für die Zukunft erhalten bleiben. Immer neue Erkenntnisse aus der Forschung und der Praxis führen auch in der Landwirtschaft dazu, dass wir uns stetig verbessern. So werden zum Beispiel die Hälfte aller zugelassenen Pflanzenschutzmittel auch im Biolandbau eingesetzt. Wenn wir unsere regionale landwirtschaftliche Produktion mit zwei extremen Initiativen gefährden, müssten wir vermehrt ausländische Lebensmittel essen, deren Herstellung wir nicht beeinflussen können. Ein schöner, gesunder Apfel freut sich auf zweimal Nein.

Familie Richard und Rita Andermatt, Allenwinden