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Der Schwingsport zwischen Tradition und Kommerz

Journalist Thomas Renggli hat am Mittwoch zu einer Podiumsdiskussion im Bücher Balmer eingeladen. Experten diskutierten über den Schwingsport und dessen Entwicklung.
Livio Viggiano
Thomas Renggli, Harry Knüssel und Rolf Huser (von links) diskutieren zum Thema Schwingsport. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. Juni 2019))

Thomas Renggli, Harry Knüssel und Rolf Huser (von links) diskutieren zum Thema Schwingsport. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. Juni 2019))

Der Schwingsport ist Tradition schlechthin: Er repräsentiert die Schweizer Kultur auf eine unverkennbare Art und Weise. Trachten und Trycheln sind auf den Schwingveranstaltungen zu sehen, Fahnenschwinger verzücken das Publikum mit ihren Kunststücken und auch gastronomisch werden die Schwingliebhaber umsorgt. Wenn sich nun die Bösen im Sägemehl auf einen sportlichen und fairen Wettkampf einlassen, so ist der Zenit der Begeisterung erreicht. Rund um das Schwingen scheint die heile Welt noch zu existieren.

Dieses hervorragende Image des Schweizer Traditionssports entzückt jedoch nicht nur die Zuschauer, auch Medien, Grossunternehmen und Sponsoren sind an ihm interessiert. Firmen kaufen sich mit enormen Sponsorengeldern in die Schwingerkulisse ein und die Tickets für Schwingfeste werden zu astronomischen Preisen verkauft. Kann eine solche Entwicklung mit den traditionellen, familiären Werten des Schwingens koexistieren, oder droht ein Ausverkauf der eigenen Seele?

Schwingsport kritisch hinterfragt

Solche Fragen stellt sich Thomas Renggli in seinem neusten Buch «Brienzer, Kommerz und Halligalli». Er beschreibt darin die faszinierende Entwicklung des Schwingsports und hinterfragt diese auch kritisch. Schwingen ist trendy, ist zu einem Grossanlass mutiert, in dem der Sport häufig in den Hintergrund rückt. Zu verlockend ist das schrille Rundherum mit dem Festgelände, den Promis und den Partys. Um diese Entwicklung kritisch zu hinterfragen, organisierte Renggli eine Podiumsdiskussion mit Exponenten des Schwingsports. Vertreten waren die traditionelleren Schwingerkönige Ernst Schläpfer und Harry Knüsel, Rolf Gasser vom Eidgenössischen Schwingerverband, Rolf Huser (Manager von Christian Stucki), wie auch Heinz Tännler (OK-Präsident des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug). Eine Runde mit verschiedenen Interessen und Ansichten, die in dieser Konstellation selten anzutreffen ist.

Ernst Schläpfer, zweifacher Schwingerkönig, sagte bereits 2010, dass man die Dimensionen des Eidgenössischen Schwingfestes nicht noch mehr ausbauen sollte. Doch genau das geschah, die diesjährige Tribüne wird wohl einen neuen Rekord aufstellen. «Die Hälfte aller Besucher ist nur des Festes wegen hier, das Schwingen rückt in den Hintergrund», kritisiert Schläpfer. Auch die Problematik rund um den Kommerz ist für ihn heikel. Er spricht sich für klare Regeln aus, die den Profit aus den Schwinganlässen zurück in den Sport fliessen lassen sollten.

Chance und Herausforderung für den Sport

Rolf Huser sieht in der Kommerzialisierung jedoch eine Chance und Herausforderung für den Sport. Als Manager von Christian Stucki ist er aktiv in der Vermarktung vom Schwingsport beteiligt. «Es kann einem lokalen Schwingverein sehr helfen, wenn er ein Aushängeschild hat. Durch mögliche Sponsoren wird das Budget des Vereins gesteigert», sagt Huser. Auch könne man eine Kommerzialisierung und Entwicklung nicht künstlich stoppen, vielmehr sollte sie in geregelte Bahnen gerichtet werden.

So verschieden die Meinungen in dieser Diskussion auch sind, in einem Punkt sind sich alle einig: Schwingen ist nicht nur ein Sport, sondern ein Lebensgefühl.

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