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Ein Zuger Filmemacher begleitete zwei Kunstprojekte

Am Samstagmorgen fanden im Kino Seehof zwei Filmpremieren statt. Remo Hegglin hatte während dreier Jahren zwei Projekte des Kunsthauses Zug filmisch begleitet – feinfühlig und subtil.
Dorotea Bitterli
Das Ship of Tolerance in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (13. Oktober 2016))

Das Ship of Tolerance in Zug. (Bild: Stefan Kaiser (13. Oktober 2016))

«Zuger Kunst im Spiegel des Films» könnte man die fast dreistündige Veranstaltung nennen, die ein so grosses Publikum ins Kino Seehof lockte, dass sich der Saal vollständig füllte. Angekündigt war die Premiere zweier knapp einstündiger Dokumentarfilme, welche der Zuger Filmemacher Remo Hegglin 2016 bis 2018 in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zug – und gemeinsam mit seinem Tontechniker Silvan Gretener – geschaffen hat: «Ilya & Emilia Kabakov – The Ship of Tolerance» und «Christa de Carouge, la dame en noir». Beide Filme dokumentieren Projekte des Zuger Kunsthauses, die den üblichen Begriff von «Kunst» sprengten. Und so wurde der Filmevent denn auch eingeführt durch den Kunsthaus-Direktor Matthias Haldemann und Remo Hegglin selbst.

Wohl alle Zuger erinnern sich an die feierliche Hissung der über 800 bunten, von Kinderhand bemalten Segel, welche am 10. September 2017 das «Ship of Tolerance» und die ganze Stadt beflaggten. Hegglins Film lässt noch einmal miterleben, wie das Teilhabeprojekt der russischen Installationskünstler Ilya und Emilia Kabakov über Monate die ganze Region erfasste, weltweit Beachtung fand, und wie das Thema vor allem Schulen und Kinder mobilisierte. Emilia Kabakov kommt wiederholt in Nahaufnahme zu Wort: «Das Schiff ist mit seinen vielfarbigen Segeln eine Plattform für eine ‹Republic of Children›, welche den Erwachsenen die Botschaft von Toleranz und Respekt ans Herz legt.» Der Film porträtiert die über 2000 am Projekt Beteiligten, von den malenden Kindern über die Schiffsbauer und Hafenarbeiter bis zu den Kunstvermittlerinnen sowie Zugs Stadtpräsidenten und den Gemeindepräsidenten von Cham. So wird deutlich, was Zug damals bewegte: etwas Magisches, ein gesellschaftliches Ritual. Ungemein ernsthaft und doch voller leuchtender Farben.

Eine posthume Hommage

Christa de Carouge verstand die Möglichkeit, 2017 bis 2018 im Kunsthaus Zug ihr originelles Modeschaffen in einer Gesamtschau zu präsentieren, als Höhepunkt ihrer beruflichen Tätigkeit. Wie ein «Making-of» begleitete Hegglins Kamera die Zeit der Ausstellung. Und auch diesen Film prägt leitmotivisch das Gesicht der buddhistisch inspirierten Modeschöpferin selbst, mit ihren weissen Stirnfransen und den kreisrunden Brillengläsern: «Schwarz ist mein Leben, aber mein Leben ist nicht schwarz», sagt sie einmal, denn die fast ausschliesslich schwarzen, langlebigen, unkomplizierten, aber mit edlen Stoffen und Mustern spielenden Kleider waren ihr Markenzeichen. Sinnlichkeit gehörte jedoch ebenso zu ihrer Philosophie. Genussvoll in einen Keks beissend, blickt sie gegen Ende direkt in die Kamera, dann schneidet der Film plötzlich ins Schwarze, bevor er den Blick auf de Carouges Schuhe freigibt. Schuhe ohne Beine darin: «La dame en noir» starb kurz vor der Finissage an Krebs. Und so wurde Hegglins Film ungeahnt zu einer posthumen Hommage an eine eindrückliche Frau mit grosser Ausstrahlung.

Unauffällige Kameraführung, ruhige Schnitte, das Gewähren von Schauzeit prägen beide Filme. Und beide werden durch Musik begleitet, die mal im Off, mal im Bild ist: das klassische Konzert der Kabakov-Stiftung einerseits, und die Performance des mönchsartig schwarz gekleideten Nik Bärtsch, der seinem Flügel meditative Klänge entlockt, andrerseits.

Hinweis
Remo Hegglins Dokumentarfilme sind auf www.kunsthauszug.ch erhältlich.

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