editorial zum jahreswechsel

Wunderbar, es kann nur besser werden!

Die Reizbarkeit steigt, Konflikte brechen schneller auf, die Offenheit gegenüber anderen Meinungen nimmt ab – in der Bevölkerung herrscht Pandemie-Müdigkeit. Wir Zeitungsmacher erleben das ungefiltert. Das Interesse an Nachrichten und Hintergründen zum Coronavirus wird dennoch ungebrochen bleiben in den kommenden Wochen und Monaten. Erfreulich: Es braucht zwar noch etwas Geduld, aber die nötige Entspannung wird kommen.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor «Luzerner Zeitung» und Regionalausgaben.

Jérôme Martinu, Chefredaktor «Luzerner Zeitung» und Regionalausgaben.

Bild LZ

Liebe Leserinnen und Leser

Keine Frage, Covid-19 hat uns im eisernen Griff. Die Pandemie hat unseren Alltag massiv verändert. Ich will hier aber nicht einfach zurückblicken, aufzählen, analysieren was alles suboptimal, unschön, falsch lief im alten Jahr. Das wäre zu einfach. Und es würde Frustrationen nähren. Es gibt nämlich am Anfang dieses neuen Jahres 2021, nach harten und schmerzvollen Erfahrungen und vielen Erkenntnissen zum Coronavirus, allen Grund zur Zuversicht: Es wird, es kann nur besser werden! Die Impfstoffe sind nun da und werden in den nächsten Monaten massgeblich dazu beitragen, dass wir die Pandemie eindämmen können. Es ist höchste Zeit für eine Entspannung. Denn die Gesellschaft leidet unter den Folgen. Das Klima ist rauer geworden, Konflikte brechen schneller auf.

Der Ausblick an dieser Stelle, gleichzeitig mit der ersten gedruckten Ausgabe des Jahres, umfasst traditionellerweise auch uns Zeitungsmacher. Im aufgeschalteten PDF-Dokument «Die Menschen hinter der Zeitung» finden Sie eine Übersicht über die Redaktion der «Luzerner Zeitung» und ihren Regionalausgaben in Zug, Nid-, Obwalden und Uri. Rund 100 Kolleginnen und Kollegen berichten Tag für Tag, gedruckt und online auf luzernerzeitung.ch, über die Geschehnisse in der Zentralschweiz. Dies bekanntlich als Teil des Zeitungsverbundes von CH Media mit unserer Zentralredaktion.

Obwohl das vergangene Pandemiejahr für erheblich erschwerte Arbeitsbedingungen gesorgt hat und die wirtschaftlichen Aussichten für unsere Branche schwierig bleiben, dürfen in einer Zeitungsredaktion die personellen Entwicklungen nicht stillstehen.

So gehört es zu den zentralen Pflichten von uns Journalistinnen und Journalisten, den Nachwuchs zu fördern und zu fordern.

Es freut uns sehr, per Jahresbeginn eine Journalistin und zwei Journalisten aus dem Ausbildungsweg entlassen zu können, indem wir ihnen die sogenannte Zeichnungsberechtigung verleihen: Vanessa Varisco (Redaktion Zug), Simon Mathis (Stadt/Region Luzern) und Lucien Rahm (Urschweiz) dürfen sich nun Redaktorin und Redaktoren nennen. Weiter haben Anian Heierli (Nid-, Obwalden-, Uri) und Stefan Welzel (Kultur und Gesellschaft) neu die Stellvertreterfunktion in ihrer Redaktion, ihrem Ressort übernommen oder werden sie demnächst übernehmen. René Meier ist neuer Co-Leiter des Online-Ressorts; unser langjähriger Kollege Robert Bachmann übt seine Aufgabe als Leiter digitale Entwicklung jetzt für den gesamten Zeitungsverbund aus. Und last but not least vertritt unsere stellvertretenden Chefredaktorin und Co-Leiterin Online, Flurina Valsecchi, die digitalen Anliegen neu in der publizistischen Leitung von CH Media. Allen gratuliere ich herzlich zur Beförderung oder der neuen Aufgabe und wünsche weiterhin viel Erfolg, Hartnäckigkeit und Kreativität im journalistischen Alltag.

Regional verankert, in der Stadt und auf dem Land. Die Abonennten Nella und Roland Auchli lesen unsere Zeitung im Stadtcafé in Sursee.

Regional verankert, in der Stadt und auf dem Land. Die Abonennten Nella und Roland Auchli lesen unsere Zeitung im Stadtcafé in Sursee.

Bild: Pius Amrein (Sursee, 21. Dezember 2020)

Unsere Redaktion wird sich auch dieses Jahr nicht über mangelndes Interesse der Leserschaft beklagen können. Eine derart ungebrochen hohe Aufmerksamkeit über eine so lange Zeitdauer gab es wohl noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch: Die Bevölkerung ist Pandemie-müde. Als mediale Überbringer der vielen beunruhigenden, traurigen Corona-Nachrichten erleben wir ungefiltert eine zunehmende Verhärtung. Die Bereitschaft, sich mit anderen als der eigenen Meinung auseinanderzusetzen, schwindet markant. Je nach Position schlägt man unserer Redaktion um die Ohren, dass wir verantwortungslos seien und endlich damit aufhören sollen, die bundesrätlich-behördlichen Massnahmen zu hinterfragen. Oder man beschimpft uns im Gegenteil als staatliche Propagandisten, selbst wenn wir massnahmen-kritische, umstrittene Akteure zu Wort kommen lassen.

Man muss solch festgefahrene Bekundungen als Ausdruck der Pandemie-Müdigkeit sehen. Wir sehnen uns nach Normalität, sind ungeduldig, reizbar und zunehmend unversöhnlicher. Das darf nicht zur Normalität werden. Auch hier gilt: Es kann nur besser werden im 2021.

Trotzdem ist das abgelaufene Jahr keines zum Vergessen. Im Gegenteil! Wir hatten zwar allen Grund zu hadern. Aber 2020 war enorm lehrreich. Eine der wertvollsten Lektionen: Wir haben den enormen Wert der Freiheit erkannt. Für diese Erkenntnis haben wir einen hohen Preis bezahlt, indem vermeintlich selbstverständliche Freiheiten und Gewohnheiten plötzlich weg waren. Das hat uns schonungslos vor Augen geführt, wie wertvoll eine freiheitliche Gesellschaft ist und dass es sich lohnt, sie zu verteidigen.

Und wir haben – hoffentlich! – gelernt, dass die Freiheit umso schneller zurückkehrt, je disziplinierter wir uns – und zwar eigenverantwortlich! – verhalten.

Wir werden uns noch eine Weile im Verzicht üben müssen. Mühsam, ja. Aber ganz wichtig ist dies: Wir können unser Verhalten weiter verbessern, in den richtigen Momenten auch Demut zeigen. Wir müssen viel Kraft und Zeit investieren, um gefährdete Existenzen wieder zu sichern. Und wir müssen die Impfstoffe möglichst breit anwenden. Der Ausblick ist also ganz wunderbar: Es kann nur besser werden im neuen Jahr!